Die Saison hat uns verschluckt

Endlich finde ich mal wieder ein bisschen Zeit, einen Blog-Beitrag zu schreiben. Eigentlich wollte ich das im Sommer ja mindestens alle zwei Wochen machen. Aber ich habe gemerkt: Das haut nicht hin. Diese Sommersaison ist in der Segelschule noch arbeitsintensiver als sonst. Vor ein paar Monaten, als wir noch nicht einmal wussten, ob wir überhaupt aufmachen dürfen, hätten wir das nicht gedacht.

Und nun ist die Nachfrage nach unseren Kursen groß. Die Saison hat uns Anfang Juli verschluckt und wird uns irgendwann im September wieder ausspucken. Bis dahin haben wir kaum ein soziales Leben, vernachlässigen alle Freunde und fallen abends früh ins Bett. Das ist in jedem Sommer so.

Wir spielen Teilnehmer-Tetris

Da wir die Corona-Einschränkungen nach wie vor ernst nehmen, lassen wir diesmal aber nur die Hälfte bis zwei Drittel der üblichen Teilnehmerzahl in unsere Kurse. Melden sich Paare oder Familien an, müssen diese nicht den Mindestabstand einhalten, und wir können etwas mehr Leute unterbringen. Kommen alles Einzelteilnehmer, ist bei der Hälfte Schluss. Wir spielen also regelmäßig Teilnehmer-Tetris. 🙂 Gleichzeitig dauert vieles länger. Vor allem in der Praxisausbildung benötigen wir entweder mehr Zeit oder mehr Lehrer und Boote gleichzeitig.

Es ist also immer noch so, dass wir für weniger Umsatz mehr arbeiten. Aber das ist nicht so schlimm, wir kommen einigermaßen gut durch das Jahr und hoffen jetzt, dass kein neuer Lockdown verhängt wird. Wenn ich die Bilder von den Leuten sehe, die dicht an dicht Partys feiern oder ohne jeglichen Abstand und ohne Masken Straßen und Plätze bevölkern, kommen mir ernsthafte Zweifel an der Hirnfunktionalität so mancher Zeitgenossen. Nur weil Deutschland relativ gut dasteht, nehmen sie die Pandemie nicht ernst. Oder sie glauben den Quatsch, den die Verschwörungstheoretiker und Pandemieleugner verbreiten. Passt auf Leute und guckt hin! Schaut euch an, was Corona in anderen Ländern anrichtet, wie viele Menschen sich weltweit täglich infizieren.

Heute mal Starkwind

Im Moment bin ich jeden Tag im Segelkurs. Heute habe ich nur deshalb Zeit zum Schreiben, weil der Wind so stark ist, dass wir nicht segeln können. Unser Segellehrer Emil unterrichtet gerade Theorie, und ich habe ein bisschen Luft. Die kann ich auch gut gebrauchen, denn im Moment bin ich unterschwellig dauermüde. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Ich liebe den Sommer, aber schon jetzt freue ich mich ein kleines Bisschen auf den Herbst, wenn es ruhiger wird und unsere Kurse nicht mehr jede Woche laufen. Obwohl die Arbeit Spaß macht, der Sommer schafft Ralf und mich jedes Mal. Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Da steckt man wochenlanges Durcharbeiten nicht mehr so gut weg wie mit Mitte zwanzig oder dreißig.

Kleine Auszeit am Abend: Wir feiern 19. Hochzeitstag

Immerhin hatten wir vorgestern Abend Zeit, unseren 19. Hochzeitstag zu feiern. Wir haben uns nebenan im wunderschönen Speicher-Restaurant verwöhnen lassen, und es war ein sehr schöner und weinseliger Abend. 🙂 Wir haben von diesen 19 Jahren keinen einzigen Tag bereut.

Der ganz normale Wahnsinn: die bisher chaotischste Woche unseres Segelschul-Sommers

Die chaotischste Woche, die wir bislang in dieser Saison hatten, war die Zeit von Samstag, 11. Juli, bis Freitag, 17. Juli. Es war die Woche der monatlichen amtlichen Sportbootführerschein-Prüfung bei uns in Wolgast, und das bedeutet für uns, dass wir noch mehr arbeiten als in allen anderen Wochen. Wollt Ihr mal einen Einblick in den ganz normalen Wahnsinn einer kleinen und familiären Sportbootschule im Hochsommer haben? Dann lest hier einfach weiter.

Kennt Ihr das? Vor Euch liegt ein Berg von Arbeit, und Ihr wisst genau, dass Ihr diese ganze Arbeit unmöglich in der Zeit schaffen könnt, die Euch dafür zur Verfügung steht. Damit arrangiert Ihr Euch irgendwie und macht einen Plan, was jetzt zuerst erledigt werden muss. Und dann passieren plötzlich lauter ungeplante Dinge, und Euer ganzer Plan funktioniert vorne und hinten nicht mehr.

Alltag vor der Prüfung

In der Kurswoche vor der Juli-Prüfung ging es so richtig drunter und drüber. Einmal im Monat kommt die Prüfungskommission Mecklenburg-Vorpommern in unsere Segelschule, immer an einem Freitagnachmittag. Die Prüfungswoche sieht für uns so aus: Samstag und Sonntag unterrichtet Ralf vormittags Theorie für den Sportbootführerschein See. Nachmittags bin ich dran und gebe Unterricht für den Sportbootführerschein Binnen. Wer gerade nicht unterrichtet, macht Büroarbeit oder bereitet den Segelkurs vor, der am Montag beginnt oder erledigt andere dringende Aufgaben.

Wenn die Kurse ausgebucht sind, startet am Wochenende auch schon der praktische Motorboot-Unterricht mit unserem Motorbootlehrer Bernhard. Die Planung der Motorboot-Stunden ist auch ohne Corona-Einschränkungen schon ein Riesenakt, weil nicht jeder Schüler immer Zeit hat. Mindestens fünf Stunden lang hatte Ralf diesmal schon in der Vorwoche an dem Plan gearbeitet.

Nach dem Theoriewochenende geht’s mit voller Kraft weiter: Jeden Tag von morgens bis in den Nachmittag Segelkurs im Naturhafen Krummin, danach hat Ralf, wenn es gut läuft, noch eine kleine Pause, und abends unterrichtet er von Montag bis Donnerstag die Theorie für den Sportbootführerschein See. Das dauert immer bis ca. 21:30 Uhr. Zwischendurch muss mal was an den Booten gemacht werden, außerdem fällt vor allem im Sommer sehr viel Büroarbeit an. Die erledige dann hauptsächlich ich nach dem Segelkurs, abends oder nachts. Und unseren Unterrichtsraum müssen wir natürlich auch in Ordnung halten und am Donnerstagabend für die Prüfung vorbereiten. Schon wenn alles normal läuft, sind wir nach so einer Prüfungswoche urlaubsreif.

Ups! Die Schraube ist weg.

Bis Sonntagnachmittag sah alles so aus wie immer: Viel Arbeit, aber alles ging seinen Gang. Dann kam der Anruf von Bernhard: Die „Ina“, so heißt unser Motorboot, fährt nicht mehr. Der Motor läuft, aber Vortrieb gibt’s nicht. Das ist äußerst ungünstig, wenn man eine beachtliche Menge Kursteilnehmer auf die Prüfung vorbereiten will. Zum Glück ist das wenigstens erst passiert, als die letzte Gruppe des Tages an Bord war. Aber was nun? Auch für die folgenden Tage waren jede Menge Fahrstunden eingeplant. Bernhard und Ralf haben das Boot also noch am Sonntagnachmittag in die Werft schleppen lassen. Dort fuhr man auf Sparflamme, da der Chef und die meisten Mitarbeiter in Urlaub waren. Trotzdem haben sie das Boot am Montag aus dem Wasser gehoben. Und siehe da: Die Schraube war futsch. Einfach abgefallen, warum auch immer.

Nun liegen Schrauben nicht einfach irgendwo im Regal, können gekauft und drangebaut werden. Nein, erst mal muss man schauen, ob irgendwo eine zu diesem Bootstyp passende Schraube vorrätig ist, die man bestellen und sich schicken lassen kann. Ist das nicht der Fall, muss eine neue Schraube angefertigt werden. Nun war klar: Das dauert. Und unsere „Ina“ fällt für den weiteren Unterricht und die Prüfung am Freitag aus. Wir sind eine kleine, familiäre Segelschule und haben zwar für unsere Größe stattliche elf Boote – aber ein zweites Ausbildungs-Motorboot ist nicht dabei. Was also tun? Allen Teilnehmern absagen? Versuchen, irgendwo ein Mietboot aufzutreiben? Und Boot ist ja auch nicht gleich Boot. Jedes Boot verhält sich anders. Man muss die Manöver unterschiedlich fahren. Wer auf einem Boot gelernt hat, kann nicht sofort ein anderes genau so gut fahren, sondern muss sich erst daran gewöhnen.

Einsatz für den „Gummibär“

Am Ende hat Ralf sich für den „Gummibär“ entschieden. Das ist unser Begleitboot für die Segelkurse, ein Festrumpf-Schlauchboot mit Außenborder. Der liegt im Naturhafen Krummin auf der Insel Usedom und musste nun extra nach Wolgast gefahren werden. Der „Gummibär“ ist aber kleiner als die „Ina“, und die komplette Ausbildung mit allen Teilnehmern hätten wir mit ihm in der einenWoche nicht geschafft. Also hat Ralf seinen mühevoll aufgestellten Ausbildungplan in den Papierkorb geworfen und einen neuen Plan gemacht: Alle einheimischen Teilnehmer sollten ihre Fahrpraxis und die praktischen Motorbootprüfung auf den August oder einen anderen Monat verschieben. Nur die Feriengäste, die extra wegen des Kurses zu uns gekommen waren, haben auf dem Gummibär ihre Fahrstunden genommen und dann auch die Prüfung gemacht.

Es allen recht machen? Geht nicht.

Das wiederum hat die Mutter eines jugendlichen Kursteilnehmers von der Insel Usedom verärgert, die am Prüfungstag anrief und schnippisch fragte, mit welchem Maß wir eigentlich messen würden. Ihrem Sohn hätten wir gesagt, im Juli kann aufgrund des Schadens am Boot keine Ausbildung stattfinden. Und nun habe der Sohn gemerkt, dass doch einige Leute auf einem anderen Boot gefahren seien. Meine Argumentation, dass es sich ausschließlich um ein Notprogramm für Urlauber handelte, die nicht einfach in einem anderen Monat hunderte von Kilometern anreisen können, hat ihr nicht gefallen. Ihr Sohn hat im August Schule. Dann kann er die Prüfung nicht machen. Das hätten wir berücksichtigen müssen.

Manche Eltern sind echt anstrengend, und ich finde außerdem, ein Sechzehnjähriger kann auch schon ganz gut für sich selbst sprechen. Meine Eltern hätten sich da früher nicht eingemischt. Selbstständigkeit lernt man nicht unter dem Flügel einer Glucke. Sorry, jetzt bin ich vom Thema abgeschweift und habe vielleicht das eine oder andere fürsorgliche Elternteil geärgert. 😉

Zwischendurch mit Mama ins Hanse-Klinikum

Es gibt noch einen ganz privaten Grund, warum die Prüfungswoche im Juli eine Ausnahmewoche war. Bei meiner Mutter ist vor wenigen Wochen Krebs entdeckt worden, der möglichst schnell operiert werden sollte. Der Tumor war schon ganz schön groß. Meine Mama lebt im Pflegeheim und braucht Hilfe, wenn sie zum Arzt oder ins Krankenhaus muss. Am Donnerstag ist sie auf Anraten ihrer Ärztin ins Hanseklinikum in Stralsund gekommen, am Freitag war die Operation. Also habe ich mir den Donnerstag trotz Segelkurs frei genommen und bin nach Stralsund gefahren. Das ist nicht gleich um die Ecke, die Fahrt dauert eine gute Stunde, wenn kein Stau ist.

Eigentlich können wir uns Krankheiten und Operationen im Sommer nicht leisten. Hört sich blöd an, ist aber so. Trotzdem hätte ich meine Mutter nicht allein lassen können. Sie braucht mich bei den Arztgesprächen, und es ist auch besser, wenn ein vertrauter Mensch dabei ist, wenn sie sich schon in einer gänzlich ungewohnten Umgebung befindet. Zum Glück ist die Operation gut verlaufen, und schon zu Beginn der folgenden Woche konnte meine Mutter in ihr Pflegeheim zurück.

Am Ende war alles gut

Und auch die Sportbootführerschein-Prüfungen sind gut gelaufen, obwohl es mit den ganzen An- und Ummeldungen diesmal kompliziert und chaotisch war. Der Berg an Büroarbeit, den ich vor mir herschiebe, ist aber immer noch da. Wenn ich die älteren Anfragen, Anmeldungen und Buchführungsarbeiten erledigt habe, sind schon wieder neue da. 🙂 Aber so muss es ja auch sein, wir freuen uns natürlich, wenn viele Leute unsere Kurse buchen möchten.

Noch eine Frage zum Schluss

Eine Sache nervt mich aber manchmal trotzdem: Warum gibt es immer wieder Interessenten, die in ihren Mails oder am Telefon Fragen stellen, die wir auf unserer Homepage längst beantwortet haben? Kurstermine, Preise, Kursinhalt – steht alles auf der Seite. Trotzdem wird genau danach gefragt. Meist noch mit dem Hinweis: „Ich bin da gerade auf Ihrer Seite…“ Woran liegt das? Sind manche Menschen nicht mehr in der Lage, die Struktur einer Seite zu überblicken? Können sie nicht so viel Text lesen und mental verarbeiten? Oder sind sie einfach zu bequem dazu? Andererseits sagen uns viele unserer Teilnehmer, dass sie die Homepage sehr gut und informativ finden. Irgendwie passt das nicht zusammen.

Vor ein paar Jahren habe ich auf spiegel.de über einen Test gelesen, der Erkenntisse zum Textverständnis ganz normaler Bundesbürger liefern sollte. Die Probanden mussten einen kleinen Text lesen, in dem es um Kita-Öffnungszeiten und Organisatorisches ging, und danach Fragen zum Inhalt beantworten. Die Ergebnisse waren erschreckend.

So, jetzt bin ich schon wieder vom Thema abgekommen. Jetzt beende ich den Beitrag besser mal. Da wartet ja noch der Berg an Büroarbeit…

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Endlich! „Wellenspiel“ ist in Krummin

Vergangene Woche haben wir unsere H-Jolle „Wellenspiel“ aus dem Winterlager in der Holzbootwerft in Freest geholt und sind nach Krummin gesegelt. Dort wartet das schöne alte Regatta-Boot jetzt auf seinen Einsatz. Im Juli ist unser erster Fortgeschrittenen-Segelkurs in diesem Sommer – und da darf „Wellenspiel“ nicht fehlen. Während unseres kleinen Törns von Freest nach Wolgast haben wir ein Video gedreht. Ein bisschen ruhige Segelatmosphäre zum Chillen. Zugegeben: Der letzte Teil über die Krumminer Wiek gegen Wind und Welle war etwas ruppig. Aber da haben wir die Kamera nicht mehr aus der wasserdichten Tonne geholt. 😉

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Um eines einmal klarzustellen

Ralf und ich betreiben die Segelschule Rückenwind seit mehr als zehn Jahren. Wir bringen den Menschen das Segeln und das Motorbootfahren bei. Wir erklären die Theorie vom Anfängerkurs bis hin zu anspruchsvollen Yachtsegelscheinen, bei denen die Navigation schon das Niveau der Berufsschifffahrt erreicht. Vom Frühjahr bis in den Herbst verbringen wir viele Stunden mit unseren Teilnehmern auf dem Wasser.

Die Segelschule ist unsere Arbeit – nicht unsere Freizeit

Diese Arbeit macht uns Freude, und viele unserer Teilnehmer sind uns ans Herz gewachsen. Aber es ist trotz allem noch unsere Arbeit. Nicht unsere Freizeit. Nicht unser reines Vergnügen. Mit anderen Worten: Müssten wir unseren Lebensunterhalt nicht verdienen, würden wir die Arbeit nicht machen. Dann würden wir unsere Zeit auf andere Weise verbringen. Und damit bin ich beim Thema. Seit Jahren ärgere ich mich darüber, dass wir immer wieder Menschen begegnen, vor denen wir uns dafür rechtfertigen müssen, dass wir für unsere Arbeit Geld nehmen.

Gerade eben im Naturhafen Krummin: Ich habe diesen Beitrag geschrieben und gucke mal nicht so glücklich wie sonst. Wenn man an einem schönen Ort arbeitet und die Arbeit Freude macht, ist sie dann weniger wert?

Allzu oft wird es auch als selbstverständlich hingenommen, dass wir den Unterricht überziehen, um ein Thema zu vertiefen oder eine Navigationsaufgabe noch einmal zu erklären. Dass der Lehrer nach dem Unterricht oder in der kleinen Pause, die er zwischendurch braucht, um durchzuatmen, den einen oder anderen Seemannsknoten noch mal zeigt oder auf irgend ein anderes Problem eines Teilnehmers eingeht.

Wenn wir den Unterricht bei einem einwöchigen Theoriekurs an einem Abend mal eine halbe Stunde länger machen, ist das für uns okay. Aber wenn das drei, vier Mal passiert, arbeiten wir eineinhalb oder zwei Stunden gratis. Das Gleiche gilt natürlich für den praktischen Unterricht: wenn wir die Segelzeit überziehen, damit jeder das Manöver ein weiteres Mal üben darf, obwohl der Unterricht eigentlich schon zu Ende wäre.

Was würde der Handwerker machen?

Würde der Handwerker das auch machen, der Euer Auto repariert oder Euer Badezimmer fliest? Nein! Der schreibt die Arbeitsstunden auf, und hinterher kommt die Rechnung. Kein Mensch wundert sich dann über 50 oder 60 Euro Stundenlohn. Das ist eben so, da muss niemand etwas erklären.

Aber in der Segelschule, bei Katja und Ralf, da ist das doch anders! Die haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Es ist doch gerade so schön hier auf dem Boot. Da muss man doch nicht aufs Geld gucken. Die machen das ja schließlich gern. Die arbeiten da, wo andere Urlaub machen.

Ja, Ihr Lieben, wir arbeiten da, wo andere Urlaub machen. Von dem Geld, das wir erwirtschaften, müssen wir leben. Wir müssen Essen und Kleidung kaufen, unsere Krankenversicherung bezahlen, für unsere Altersvorsorge sparen, wir brauchen Strom und Heizung und vieles mehr. Wie alle anderen Menschen auch. Die Zeit, die wir mit Euch auf den Booten und im Theorieunterricht verbringen, ist – so nett das auch alles sein mag – unsere Arbeitszeit.

In dieser Zeit können wir zudem andere notwendige Arbeiten nicht erledigen. Zum Beispiel Bootspflege, Kundenberatung per E-Mail oder Telefon, Buchführung, Reinigungsarbeiten, Materialeinkäufe für die Segelschule und vieles mehr. Diese Dinge machen wir teilweise später abends oder nachts. Oder wir vergeben Aufgaben an externe Anbieter. Die Externen bekommen natürlich die üblichen Stundenlöhne.

Ich habe mich erst aufgeregt, dann war ich traurig

Warum ich diesen Beitrag heute bringe, hat einen Grund. Gestern habe ich mich erst total aufgeregt, und danach war ich traurig. Und am besten kann ich mir Luft machen, indem ich einfach alles aufschreibe. Da hatte jemand, der bald die Prüfung für den Sportbootführerschein See machen möchte, ein Problem mit einer Prüfungsaufgabe. Ralf wollte helfen und hat einen Termin vereinbart, den er noch irgendwie zwischen den Segelkurs und den abendlichen Theoriekurs in den Kalender zwängen konnte.

Die Kursteilnehmerin kam, und Ralf hat ihr eine halbe Stunde Nachhilfe gegeben. Dann fragte sie ihn, wie viel er dafür bekomme. Vielleicht war das ja eine rhetorische Frage, aus Höflichkeit gestellt, und eigentlich wurde die Antwort „nichts“ erwartet. Ralf aber, der selber ein gutmütiger, freigebiger und großherziger Mensch ist, sagte: „Bezahle einfach, was du möchtest. Du kannst ja deinen eigenen Stundenlohn nehmen und mir die Hälfte davon geben.“ Er hat damit gerechnet, dass sie das dann auch machen würde. So wie er selbst in dieser Situation übrigens gehandelt hätte.

Wie eine Ohrfeige für Ralf

Die Teilnehmerin kam dann zu mir, um zu bezahlen, denn ich war vorne im Büro. Fünf Euro war ihr die halbe Stunde wert. Das kam mir vor wie eine Ohrfeige für Ralf. Muss ich mir jetzt Sorgen machen, dass sie selbst so wenig verdient? Oder fand sie tatsächlich, dass Ralfs Arbeit so wenig wert war? Er hat ihr geholfen, er hat sich die Zeit genommen, er hat sich extra beeilt und auf seine Pause verzichtet. So was macht mich echt wütend.

Ist Lohn nur ein Trostpflaster?

Wenn ein Mensch seine Arbeit gern tut, muss man sie ihm dann nicht bezahlen? Ist Lohn etwa nur ein Trostpflaster dafür, dass man seine Zeit mit einer Tätigkeit verbringt, die man nicht mag? Was ist dann mit den Handwerkern, Musikern, Schauspielern, Lehrern, Ärzten und vielen anderen, die ihren Beruf lieben? Ihr merkt, ich rege mich immer noch auf.

Deshalb beende ich diesen Text jetzt besser. Heute ist wieder Segelkurs, ein sehr netter Kurs übrigens, auf den ich mich freue. Trotzdem. Den Frust musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben.

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20 Jahre Schatz und Schatz

Gestern hätten wir eigentlich feiern müssen. Denn gestern haben wir sie nun wirklich geschafft, die runde 20. Seit zwei Jahrzehnten segeln und stapfen und fahren wir zu zweit durch diese Welt. Und jedes einzelne davon war schön. Trotz der Rückschläge, Knochenbrüche, Krankheiten und traurigen Ereignisse, die wir zwischendurch natürlich auch erlebt haben.

Wie gesagt, wir hätten feiern müssen. Aber im Moment haben wir so viel Arbeit und an jedem Abend Theorieunterricht, so dass uns zum Feiern dann doch der Elan fehlte. Immerhin hat es für ein Selfie gereicht. 🙂 Und das schöne Spruchband am antiken Schrank in der Segelschule passt so wunderbar zu unserem Leben.

Der 9. Juni 2000 war ein Freitag, ein schöner, heißer Tag. Es war der Freitag vor Pfingsten, und ich hatte frei. Für diesen Abend hatte ich zum allerersten Mal Ralf zum Essen eingeladen. Also bin ich den ganzen Nachmittag in der Küche herumgewirbelt. Ralf kannte meine Wohnung am Mühlenkamp in Hamburg-Winterhude noch gar nicht. Und ich hatte richtig Lampenfieber vor dem Abend. Würden wir uns genug zu erzählen haben? Würde er mein Essen mögen? Oder würde am Ende alles im Desaster enden?

Das besondere Menu: italienisch mit vier Gängen

Weil wir beide gern italienisch essen, habe ich damals italienisch gekocht. Das Menü werde ich nie vergessen, und noch heute koche ich es im Frühsommer, wenn wir uns an diesen allerersten Abend bei mir zu Hause erinnern möchten. Es ging mit den Antipasti los: selbst gemachte Mozzarellatomaten und dazu eingelegte Oliven, Pilze und Gemüse aus dem italienischen Geschäft nebenan. Dann kam die Pasta – Spaghetti aglio e olio, mit Knoblauch, Peperoncini und viel Olivenöl. Als Hauptgericht gab es Saltimbocca, klassisch aus Kalbfleisch, mit Parmaschinken und großen Salbeiblättern. Dazu italienischen Salat. Und zum Nachtisch Erdbeeren in Rotwein. Es ist für uns immer noch das eine besondere Menu.

Barfuß und in Shorts – hurra, er fühlt sich wohl!

Ralf kam ganz verschwitzt an, denn er hatte vorher bei einem Umzug geholfen. Er fragte, ob er mal eben duschen dürfe. Klar, kein Problem. Wenige Minuten später kam er aus dem Bad, barfuß und in Shorts. Da wusste ich: Er fühlt sich wohl. Dann saßen wir stundenlang am Esstisch in meiner kleinen gemütlichen Küche. Dort standen Möbel im Landhausstil mit einer runden Messingspüle, am Fenster hingen gelbe Vorhänge, und wenn man rausguckte, sah man die Feuerleiter. Und zu erzählen hatten wir uns eine Menge. Es wurde ein wunderschöner Abend.

Die Zeit hält uns zum Narren

Mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen. Dabei haben wir so viel erlebt in diesen zwanzig Jahren. Die Zeit kann einen ganz schön zum Narren halten. Da reißt sie einen mit und bringt ständig neue Wendungen, Ereignisse, Überraschungen, Herausforderungen, Veränderungen – und dann tut sie auf einmal so, als wäre sie nie dagewesen.

Ralf hat sich neulich „mal wieder Saltimbocca“ gewünscht. Ab Ende nächster Woche geht es bei uns wieder etwas ruhiger zu. Da stehen die Chancen gut für ein italienisches Menü. 🙂

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Premiere geschafft

Unser erster Segelkurs zu Corona-Bedingungen ist zu Ende

Ein paar Impressionen vom Segelkurs bekommt Ihr in unserem Video.

Wir haben angefangen. So richtig mit echten Segelschülern auf den Booten. Direkt am 25. Mai, denn seit diesem Tag dürfen wir als Sportbootschule in Mecklenburg-Vorpommern ja wieder ausbilden. Seit diesem Tag kommen wir übrigens nicht mehr zur Ruhe. Denn das Telefon klingelt ständig, vielen Menschen mailen uns und fragen nach Kursen.

Kein ungebremster Start

Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Doch wir können leider nicht ungebremst in die verspätete Saison starten. Die Pandemie ist ja nicht vorbei, weiterhin gibt es Einschränkungen, und natürlich wollen wir nicht, dass sich das Virus durch unsere Schule verbreitet. Also haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet, unseren Unterrichtsraum umgeräumt, einen Profi-Spender mit Handdesinfektionsmittel besorgt und noch mehr Desinfektionsmittel gekauft, um Tische, Türklinken, Rettungswesten und alles Notwendige zu desinfizieren. Wahnsinn, was das alles kostet – jetzt, wo diese Dinge so stark nachgefragt sind.

Der Kurs war schön – und für uns lehrreich

Unser erster Segelkurs war ein Versuchsballon. Er hat uns Spaß gemacht. Und er war für uns sehr lehrreich. Wir wollten das Arbeiten unter Corona-Bedingungen erst einmal üben und haben deshalb nur vier Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern in den Kurs aufgenommen. Nun sind unsere Schulungsjollen sehr geräumige und stabile Boote, zugelassen für jeweils sechs Personen an Bord. In normalen Jahren kalkulieren wir mit vier Kursteilnehmern auf jedem Boot.

An den ersten zwei bis drei Tagen fährt außerdem auf jedem Boot ein Segellehrer mit, da wir hier doch recht oft viel Wind haben und unsere Schüler deshalb nicht gleich allein losschicken möchten. Andere Segelschulen machen es teilweise von Anfang an so, dass ein Lehrer im Motorboot sitzt und mehrere Segelboote begleitet, auf denen die Schüler dann allein üben.

Segelkurse sind jetzt eher Privatunterricht

Nun müssen und wollen wir aber den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten. Und das geht nur, wenn auf jedem Boot nur zwei Kursteilnehmer mit dem Lehrer fahren. Mehr Personen können wir nur dann auf ein Boot setzen, wenn diese zum selben Haushalt gehören. Und auch da müssen wir dann aufpassen, dass die Schüler dem Lehrer nicht zu nahe kommen. Anders geht es im Moment nicht. Das haben uns die Erfahrungen aus dem ersten Kurs sehr deutlich gezeigt.

So sind also Ralf und ich mit jeweils zwei Teilnehmern auf zwei Booten gesegelt. Das bedeutet praktisch Privatunterricht – sehr intensiv, aber dafür kürzer als in „normalen“ Kursen. Denn bei nur zwei Schülern auf dem Boot ist jeder ständig gefordert. Sei es beim Steuern oder beim Führen der Segel – es gibt keine Pausen, keine Möglichkeit, sich zwischendurch mal zu erholen oder einfach nur die anderen zu beobachten.

Wir organsieren unsere Segelkurse neu

Ralf und ich haben auf der Basis dieser Erfahrung die Planung für unsere künftigen Segelkurse umorganisiert. Wir müssen die Teilnehmerzahl in allen Kursen reduzieren. Das bedeutet, dass bereits jetzt bis Ende August bis auf einen oder zwei Einzelplätze alle Segelkurse ausgebucht sind. In den vergangenen Tagen hatte ich etliche enttäuschte Anrufer am Telefon, die gern noch einen Platz gebucht hätten. Also habe ich Wartelisten angefangen. Enspannter sieht es im Moment noch bei den Motorbootkursen für den Sportbootführerschein See aus. Aber auch das kann sich schnell ändern.

Klingt luxuriös – aber das Gegenteil ist der Fall

Das alles klingt vielleicht jetzt sehr luxuriös. In Wirklichkeit bedeutet es aber, dass wir durch die Reduzierung der Teilnehmerzahlen in allen unseren Kursen – denn auch in den Theorieraum und aufs Motorboot passen jetzt ja viel weniger Menschen als sonst – weniger Einnahmen haben. Da wir den Unterricht jetzt anders organisieren müssen und für Theoriekurse teilweise Zusatztermine mit halber Teilnehmerzahl ins Programm genommen haben, fällt für uns in dieser Saison geschätzt 50 Prozent mehr Arbeit an. Und das bei weniger Umsatz als in „normalen“ Jahren.

In der Segelkurswoche Ende Mai habe ich fast jeden Abend bis Mitternacht am Computer gesessen, Büroarbeit erledigt und Kundenanfragen per Mail beantwortet. Dazu kamen dann auch noch Bootspflegearbeiten und Saisonvorbereitungen für unser kleines Charterboot. Arbeiten, die wir selber nicht schaffen, müssen wir an externe Unternehmen vergeben – und dafür aber die üblichen Stundenlöhne bezahlen.

Wir sitzen in der Zwickmühle

Wir sitzen also ein bisschen in der Zwickmühle. Denn wir können ja keine Kurse geben, die unter dem Strich so unwirtschaftlich sind, dass wir erst arbeiten und dann aus unserer privaten Kasse noch draufzahlen. Uns bis zum Umfallen selbst ausbeuten können und wollen wir auch nicht. Unsere Teilnehmer verärgern möchten wir ebenso wenig. Trotzdem müssen wir so arbeiten, dass wir von unseren Einnahmen leben können.

Was also tun? Die Preise erhöhen? Nachträglich noch Aufschläge auf die Kurspreise verlangen? Sicher würde es bei jemandem, der im Januar den Sommerkurs für den Preis X gebucht hat, Unmut erregen, wenn er plötzlich den Preis Y zahlen soll. Aber so wie im Moment geht es auch nicht weiter, denn die Segelschule ist ein kostenintensives Geschäft. Wenn alle Liegeplätze, Versicherungen, Wartungs-, Reparatur- und Pflegearbeiten, Mieten und anderen Kosten bezahlt sind, bleiben wahrlich keine Reichtümer übrig.

Die Nachricht, dass ab Juli die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr gesenkt wird, kam da für uns genau richtig. Denn das hilft uns, die finanziellen Einbußen zumindest teilweise auszugleichen. Wir werden zunächst also keine Aufschläge auf die Kurspreise machen und dann mal sehen wie es läuft. Das ist unsere Art, diese Steuersenkung an unsere Kunden weiterzugeben. Es wird dadurch ohnehin noch eine Menge Mehrarbeit auf mich zukommen, bis ich diese Veränderung buchhalterisch organisiert habe. Das bedeutet wohl noch ein paar Nächte am Computer, bis alles funktioniert. Aber besser als Preisaufschläge ist das allemal.

Gestern hat mich bereits jemand, der einen Kurs buchen wollte, gefragt, ob wir unsere Preise jetzt senken. Da musste ich dann erst mal einen kleinen Vortrag halten und die Situation erklären. Das war dann auch in Ordnung, denn die meisten Menschen haben ja Verständnis. Ich hoffe nur, dass ich diese Erklärung jetzt nicht dauernd wiederholen muss wie eine alte Schallplatte, die hängen geblieben ist.

Nächste Herausforderung: der Prüfungstag

Als nächste große Herausforderung steht jetzt die erste amtliche Sportbootführerscheinprüfung in Wolgast ins Haus. Die Prüfungen im März, April und Mai waren ja abgesagt worden. Dementsprechend groß ist jetzt der Andrang. Trotzdem müssen auch die Prüfer auf die Einhaltung des Mindestabstands achten. Die Prüfungen finden immer in unserem Unterrichtsraum statt. Der wird nicht größer. Wir sind gespannt, wie der Prüfungsausschuss das organisieren wird. Die Prüfung ist am 19. Juni. Danach sind wir schlauer.

Mein Blog geht weiter

Zum Bloggen hatte ich in den vergangenen beiden Wochen einfach keine Zeit mehr. Das wird sich in der Sommersaison wahrscheinlich so fortsetzen. Es kann also sein, dass ich es manchmal nur etwa alle zwei Wochen schaffe, etwas zu schreiben. Aber der Blog geht weiter.

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