Ich habe keine Lust mehr auf Corona!

Von Internetkursen, unterbrochener Motorbootausbildung und einem Brief zur falschen Zeit

Corona und kein Ende – und ich habe eigentlich keine Lust mehr, darüber zu schreiben. Aber dann mache ich es doch.
Vor diesem klebrigen, überall anhaftenden, alles beherrschenden Thema kann man nicht weglaufen. Leider.

Ein bisschen Pandemie de Luxe…

Bevor ich loslege, will ich aber eines klarstellen: Ich will nicht jammern.
Ralf und ich leben in der De-Luxe-Version der Pandemie. Wir sind gern zusammen und gern auch Tag und Nacht. Unsere Umgebung ist wunderschön, und wenn wir nur spazieren gehen oder einen kleinen Ausflug mit dem Auto machen, sind wir schon an den Sehnsuchtsorten vieler Menschen. Meine Joggingrunden führen durch eine norddeutsche Urlaubslandschaft, immer sind wir am Wasser, kilometerlange Sandstrände und der Küstenwald sind nahe. Jetzt im Frühling ist das ein Traum.

Mal eben an den Strand – auf das Glück, am Meer zu sein, muss ich nicht verzichten.

Wir haben keine Kinder, die wir beaufsichtigen, beschäftigen oder beschulen müssen, und ob wir Home Office machen oder ein paar Meter über den Hof ins Büro gehen, spielt keine große Rolle. Ich koche total gerne, und unser Speiseplan ist trotz geschlossener Restaurants vielseitig. Arbeiten konnten wir vom Herbst bis zum Frühjahr trotz Lockdown light, Lockdown weniger light, Lockdown irgendwie halb und halb ganz gut. Die Akzeptanz für Theoriekurse in Form von Internetkonferenzen ist deutlich gestiegen. Immer mehr unserer Teilnehmer nutzen diese Chance, um für ihren Sportbootführerschein oder ihr Funkzeugnis zu lernen.

Ralf beim Theorieunterricht – Internetkonferenzen gehören auch bei uns längst zum Alltag.

… aber trotzdem ganz viel Unsicherheit

Es geht uns also besser als vielen anderen. Im Moment jedenfalls. Denn wie die nächsten Monate in der Segelschule aussehen, ist völlig offen. Vor kurzem noch durften wir Motorboot-Stunden geben. Für den 26. März war die erste Sportbootführerschein-Prüfung in diesem Jahr bei uns in Wolgast anberaumt, und so haben wir unser Ausbildungsboot Ina fit für die Saison gemacht und aus dem Winterlager geholt. Unser Lehrer Bernhard hat mit den Stunden angefangen. Und dann stieg die Corona-Inzidenz in unserem Landkreis wieder an und lag drei Tage hintereinander bei mehr als 100. Also wurde die Prüfung abgesagt, wir haben die noch ausstehenden Übungsstunden auf irgendwann später (April???) verschoben, und nun harren wir der Dinge, die da kommen werden.

Selbst wenn wir demnächst wieder mit unseren Schülern Boot fahren können – dürfen unsere Gäste aus anderen Bundesländern dann kommen? Zum Beispiel im Mai. Da haben wir einen komplett ausgebuchten Segelkurs, und alle Teilnehmer kommen von woanders. Wenn die nicht einreisen dürfen, wenn sie nicht übernachten dürfen, dann bleibt der Kurs leer. Wer dann nicht verschiebt, bekommt seine Anzahlung zurück. Sollte es wirklich so sein, wie Kanzleramtschef Helge Braun gesagt hat, dass im August (!) vielleicht wieder Urlaubsreisen möglich sind, dann verdienen wir von Mai bis Juli erst mal kein Geld mehr. Der Juli ist übrigens einer der finanziell allerallerwichtigsten Monate für uns. Da verdienen wir einen guten Teil des Geldes, das wir im Winter dringend brauchen.

Soforthilfe zurückzahlen zu Beginn der dritten Welle – echt jetzt?

Und genau in dieser Situation flatterte neulich ein Schreiben des Landesförderinstituts ins Haus: Ich soll jetzt mal ausrechnen, ob ich 2020 nicht zu viel Soforthilfe bekommen habe und das zu viel gezahlte Geld zurücküberweisen. Blöd ist, dass das Landesförderinstitut keine Ahnung von der zeitlichen Kostenverteilung einer Sportbootschule hat. Dass zum Beispiel die Bootsliegeplätze für das Winterlager auf einen Schlag im Herbst und für die Sommerplätze ebenfalls auf einen Schlag im Winter fällig werden. Das war Anfang 2020 vor der Pandemie. Ähnliches gilt für die Versicherungen.

Da räumt man dann das Konto leer, aber das macht nichts, da ja kurz danach die Vorsaison startet. Die startete voriges Jahr dann nicht so richtig wegen Corona, aber jetzt kommt der Knackpunkt: Ich darf nur die Kosten geltend machen, die akut während des Soforthilfe-Bewilligungszeitraums anfielen. Auch Kosten, die mir ein freundlicher Vermieter oder ein kooperatives Finanzamt vorerst gestundet haben und die ich dann im Sommer (nach dem Bewilligungszeitraum) auf einen Schlag bezahlt habe, sollen nicht anerkannt werden. Unter dem Strich bedeutet das: Wer umsichtig gewirtschaftet hat, der ist jetzt der Dumme und zahlt Geld zurück, das er eigentlich braucht und das nur, weil die Kosten nicht in den Bewilligungszeitraums-Monaten bezahlt wurden.

Umlegen geht nicht

Dabei müsste man solche Kosten eigentlich auf die einzelnen Monate umlegen. Das betrifft hier viele kleine Unternehmer: Ladeninhaber, Gastwirte, Inhaber von kleinen Hotels und Pensionen und Anbieter von touristischen Vergnügungen (Angel- und Kanutouren, Wanderungen, Fahrten…). Diejenigen, die ich etwas besser kenne, haben mir von ähnlichen Problemen erzählt: Das Schreiben des Landesförderinstituts ist bei ihnen eingetroffen; erst im coronamäßig etwas entpannteren Sommer haben sie Mieten, Kreditraten oder Steuern auf einen Schlag bezahlt, und nun haben sie dadurch Nachteile.

Äußerst unglücklich finde ich den Zeitpunkt des Schreibens. Ich habe kein Problem damit, Geld, das unsere Segelschule tatsächlich nicht benötigt hat, zurückzuzahlen. Aber doch nicht jetzt, zu Beginn der dritten Welle! Die Pandemie nimmt gerade richtig Fahrt auf, wir wissen nicht, wie wir wirtschaftlich durch die nächsten Monate kommen, wir müssen umsichtig planen. Was wir jetzt zurückzahlen, können wir in den nächsten Monaten vielleicht nicht erwirtschaften, und dann bleibt uns nur, erneut staatliche Unterstützung zu beantragen. Nach der Pandemie, wenn irgendwann alles wieder normal läuft, dann können wir gerne ganz viel rechnen und das zurückzahlen, was wir zu viel bekommen haben. Ich frage mich, warum die Behörde diese Schreiben ausgerechnet jetzt rausgeschickt hat.

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1 Kommentar

  1. Hallo Katja,
    Dein Artikel bewegt mich sehr, weil auch viele aus meinem Bekanntenkreis davon betroffen sind. Ich würde ja gern etwas Tröstendes sagen, zum Beispiel, dass alles gut wird, sobald die Leute durchgeimpft sind. Doch merke ich immer mehr, dass es in der aktuellen Regierung zu viele Kapitäne und keine Matrosen gibt. Nicht Corona ist unser Problem, sondern eine falsche Politik oder die daraus resultierende Bürokratie. Zu aller Unglück stehen auch noch Wahlen an, sodass zu dem ganzen Dilemma auch noch ein Machtgerangel kommt. Was soll’s! Ich glaube fest daran, dass wir auch diese Pandemie irgendwie schaffen werden!

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