Wir segeln! Aber leider allein

Unser erstes Boot ist an seinem Liegeplatz im Naturhafen Krummin angekommen. Ralf und ich haben es gestern, am Karfreitag, von Wolgast dorthin gesegelt. Wind und Wetter haben prima gepasst. Dabei war es erst mal gar nicht so sicher, dass wir das Boot überhaupt auf die Insel Usedom bringen durften. Denn das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte von Karfreitag bis Ostermontag die Reisebeschränkungen so weit verschärft, dass auch wir Einheimischen nicht mehr hätten auf die Insel fahren dürfen.

Doch das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat diese Oster-Reisebeschränkungen im Eilverfahren gekippt. Sicherheitshalber habe ich auch noch mit einem netten Beamten der Wasserschutzpolizei telefoniert. Immerhin war unser kleiner Törn ja keine Vergnügungsfahrt, sondern er diente nur der Überführung unserer „Kleinen Brise“ an ihren Stammplatz. Spaß gemacht hat die Fahrt aber trotzdem.

Eigentlich hätte gestern unser Ostersegelkurs angefangen – und das bei Traumwetter. Es ist schade drum. Aber leider nicht zu ändern. Wir wünschen uns, dass alle Teilnehmer, die auf einen späteren Kurs umgebucht haben, dann wieder genau so tolles Segelwetter bekommen wie jetzt zu Ostern!

Wir und mein Blog sind heute im NDR

Außerdem ist der Norddeutsche Rundfunk auf meinen Blog aufmerksam geworden. Gestern war ein Filmteam bei uns zu Gast – natürlich immer mit dem erforderlichen Mindestabstand und mit einer Plastiktüte über dem Mikrofon. Ich bin schon sehr gespannt auf den Beitrag. Er soll heute Abend im Nordmagazin Mecklenburg-Vorpommern gesendet werden, geplant ist 19:39 Uhr. Gefilmt haben sie sehr viel, und ich habe mal wieder viel zu viel geredet – da ist die Auswahl bestimmt nicht leicht gefallen.
Hier geht’s zum Livestream in der NDR-Mediathek.

Unser Unterrichtsraum wird Filmkulisse. Auf dem Tisch liegt noch das Vorsegel,
das wir später mit auf den Törn nehmen.
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Schaut hin – wir brauchen Euch!

Normalerweise wäre der Wolgaster Marktplatz bei diesem Wetter ein lebendiger Treffpunkt. Cafétische würden hier stehen, Menschen in der Sonne sitzen.

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Zeit bin ich durch unsere kleine Stadt spaziert. Ein Brief musste zur Post gebracht, ein paar Einkäufe im Drogeriemarkt erledigt werden. Kein Grund also, mit dem Auto loszufahren. Von unserer Wohnung bis in Wolgasts niedliche Innenstadt ist es nicht weit.

Bei strahlendem Sonnenschein und bilderbuchblauem Himmel sollte hier jetzt eigentlich gemütliches Leben herrschen. Stattdessen liegt eine seltsame Stille über allem. Nur vereinzelt sind Menschen unterwegs. Der Bäcker hat auf. Alle anderen Geschäfte sind geschlossen – der freundliche Buchladen, der Jeansladen, das Schuhgeschäft, die Parfümerie. Es fühlt sich aber nicht an wie die übliche Sonntagsstille. Denn auch an schönen Sonntagen sitzen die Wolgaster und ihre Gäste auf dem Marktplatz und trinken Kaffee.

Eine Bitte von ganzem Herzen

An den Geschäftstüren hängen Mitteilungen an die Kunden. Ich bleibe stehen und nehme mir die Zeit, sie zu lesen. Hoffe, dass auch andere das tun. Denn diese Nachrichten zeigen eines ganz besonders: Die Geschäftsleute, die jetzt ihre Arbeit nicht machen dürfen, brauchen uns. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen. Also, Leute: Geht nicht einfach vorbei. Schaut hin!

Seit Jahren müssen sich die Ladeninhaber und ihre Mitarbeiter gegen den wachsenden Online-Handel durchsetzen. Wenn jetzt noch mehr Menschen auf die großen Online-Anbieter ausweichen, haben wir bald gar keine Geschäfte mehr in den kleinen Städten. Und in den großen nur noch Ketten mit ihrem Einheitsangebot.

Ich bin sicher: Eigentlich will das keiner. Das Problem ist aber, dass nicht alle Menschen sich Gedanken über die Folgen ihres Tuns machen. Es ist ja so einfach, sich durch die großen Online-Shops zu klicken und mal eben einzukaufen. Dabei zahlen diese oft nicht mal Steuern in unserem Land.

Krise hilft vielleicht beim Umdenken

Vielleicht hilft die Corona-Krise ja beim Umdenken. Jetzt, wo die Not so vieler Händler fast schon mit den Händen zu greifen ist, sollte das doch möglich sein. Schaut hin, hört zu, kauft bei den kleinen Einzelhändlern bei Euch vor Ort, die dort auch Ladenmiete und Steuern zahlen, die Euch beraten und so oft ein freundliches Wort für Euch haben.

Wir jedenfalls leben lieber in einer lebendigen Stadt. Und freuen uns, wenn es neben unserer Segelschule noch viele schöne, kleine Geschäfte gibt.

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Solidarität und Hilfsbereitschaft – wirklich?

Wir werben für unsere Online-Kurse. Hier in der Region machen wir das mit Aushängen.

Noch hat die Corona-Pandemie in Deutschland ihren Höhepunkt nicht erreicht. Habe ich gerade im Radio gehört. Und: Die Zahl der Neuinfizierten steigt hierzulande nicht mehr so schnell an. Das lässt immerhin ein bisschen Raum für Hoffnung.

Ostersegelkurs fällt aus

Mittlerweile ist klar, dass wir unseren Ostersegelkurs nicht machen dürfen. Einige Teilnehmer haben uns schon gesagt, dass sie ihren Kurs einfach verschieben wollen. Sie suchen sich jetzt in Ruhe einen neuen Termin aus. Deren Anzahlung dürfen wir behalten. Darüber freuen wir uns sehr.

Wenn man selbstständig ist, ist ein Umsatz von null Euro schlimm. Stellt Euch vor, Euer Gehalt wird plötzlich nicht mehr gezahlt, obwohl Ihr viel gearbeitet und nichts falsch gemacht habt. Und Ihr habt keine Möglichkeit, euch dagegen zu wehren.

Ein Minusumsatz, weil man jetzt auch noch das Geld, das man im Winter als Anzahlung bekommen hat, zurückzahlen muss, ist für ein Unternehmen wie unsere Segelschule noch schlimmer.

Das würde bedeuten, Ihr bekommt nicht nur kein Gehalt, sondern müsst das Gehalt der Vormonate auch noch zurückgeben. Natürlich ist nicht mehr alles da, denn Ihr habt davon gelebt, Miete und Betriebskosten gezahlt. Wie würdet Ihr Euch da fühlen?

Nicht gleich aufgeben – wir bieten Alternativen

Alle unsere Teilnehmer, deren Kurse wegen der Corona-Pandemie ausfallen, dürfen diese kostenfrei verschieben, gern auch auf nächstes Jahr, wenn es 2020 nicht geht. Gern stellen wir über die geleistete Anzahlung auch einen Gutschein aus, der dann als Anzahlung für einen neuen Kurs oder auch für einen Segelausflug oder Privatunterricht genutzt werden kann. Oder als Geschenkgutschein für jemand anderen.

Wer will, lernt im Online-Kurs jetzt schon die Theorie

Wir haben bereits die ersten Zusatztermine für den Sommer in unser Programm aufgenommen. Wer den Sportbootführerschein machen möchte und mit dem Lernen nicht warten will, bis die Schulen wieder aufmachen dürfen, erhält bei uns einen didaktisch gut gemachten Online-Kurs und kann wählen, wie viel Unterstützung er dabei von uns haben möchte. Wir helfen gern per E-Mail, Telefon oder über Skype.

Wer einen Präsenzkurs gebucht hat und auf Online umsteigen möchte, kann das ganz problemlos und kostenfrei machen. Wenn die Einschränkungen gelockert werden und wieder amtliche Prüfungen stattfinden, vereinbaren wir mit unseren Teilnehmern die Termine für die praktische Motorbootprüfung.

Nur Segelkurse lassen sich online nicht gut umsetzen. Denn wer segeln lernen will, muss von Anfang an aufs Wasser.

Was mich traurig macht

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass jemand, dem jetzt durch die Corona-Krise das Einkommen wegbricht, und der nicht mehr ein und aus weiß, seine Anzahlung zurückhaben möchte. Und natürlich überweisen wir das Geld zurück, wenn unsere Teilnehmer darum bitten. Wir dürfen ja die gebuchte Leistung derzeit nicht erbringen, auch wenn das absolut nicht unsere Schuld ist.

In einem meiner vorangegangenen Beiträge habe ich ja schon dargestellt, dass die Rückzahlung sämtlicher Anzahlungen die Summe der Soforthilfe, die wir erhalten haben, auffressen würde.

Ich muss zugeben, dass ich manchmal traurig bin. Nämlich dann, wenn jemand – ohne nachzudenken oder vielleicht auch aus Prinzip – sein Geld zurückfordert, obwohl er zu den vielen Menschen hier im Land gehört, die jetzt weiterhin ihr Gehalt oder ihre Rente bekommen. Obwohl er eventuell gar nicht mal so weit weg wohnt und vielleicht später einmal einen neuen Kurs bei uns plant.

Man könnte es ja auch so machen, dass man die Anzahlung erst mal noch stehen lässt. Und wenn man dann später feststellt, dass es doch nicht klappt mit der Kursverschiebung, seine Anmeldung storniert. Dann müssten wir das Geld nicht schon jetzt, mitten in der Krise, zurückgeben.

Gutschein-Lösung für Reiseveranstalter

Da sich die ganze Urlaubsbranche in der Corona-Krise befindet, soll es Reiseveranstaltern ermöglicht werden, Gutscheine auszustellen, anstatt Anzahlungen auf geplatzte Reisen zu erstatten. Nachdem es zu diesem Vorschlag viel Kritik gab, plant die Regierung laut einem Bericht auf Spiegel Online, diese Gutscheine abzusichern, damit kein Kunde sein Geld verliert.

Das bedeutet, dass vor allem die großen Reiseveranstalter davon profitieren würden. Sie müssten erst mal kein Geld zurückzahlen. Nur dann, wenn bei dem Kunden ein besonderer Härtefall vorliegt. Wir als Segel- und Sportbootschule gehören zwar auch zur Urlaubsbranche. Aber Reiseveranstalter sind wir nicht, und so fallen wir hier ungebremst durchs Netz.

Überall wird von Solidarität und Hilfsbereitschaft geredet. Es gibt wunderbare, großzügige Menschen, bei denen Ralf und mir das Herz aufgeht. Aber es gibt leider auch jene, bei denen Solidarität und Hilfsbereitschaft wohl immer die der anderen sind.

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Wieder eine gute Nachricht

Ich heute Mittag im Homeoffice.

Ich kann wirklich nicht klagen, dass wir zurzeit auf irgend etwas lange warten müssen. Heute war der Bescheid der Bundesagentur für Arbeit im Briefkasten, dass die Kurzarbeit für Ralf bewilligt wurde. Nun kann unsere nette Steuerberaterin alles weitere veranlassen. Das ist natürlich eine große Erleichterung für mich. Dieser Bescheid und die Soforthilfe haben es immerhin möglich gemacht, dass ich ein paar ausstehende Rechnungen bezahlen konnte. Ich möchte mich jetzt ja auch nicht stark verschulden.

Seit dem 16. März ist für Ralf praktisch keine Arbeit mehr da. Mehr als zehn Prozent seiner üblichen Arbeitszeit kommt im Moment nicht zusammen. Wir können leider auch nicht alle unsere Boote für die Saison klar machen. Denn die Werft lässt nur noch die eigenen Mitarbeiter aufs Gelände, um das Infektionsrisiko für sie möglichst gering zu halten.

Aber wir haben ja auch noch unsere kleinen Segelboote im Freilager des Naturhafens Krummin. Und die sind bereit für die Saison. Wir planen, in der kommenden Woche zumindest ein Boot ins Wasser zu lassen. Wenn die ersten Segelschüler kommen dürfen, wollen wir vorbereitet sein. Wir freuen uns auf den Frühling und den Sommer und hoffen, dass wir in ein paar Wochen wieder richtig durchstarten können.

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Die Soforthilfe ist da!

Jetzt ist mir doch ein kleiner Felsbrocken vom Herzen gefallen. Heute lag der Bescheid des Landesförderinstituts im Briefkasten. Und die Soforthilfe war sogar schon auf dem Konto der Segelschule.

Unser Antrag ist noch keine Woche her. Alle Achtung für dieses Tempo! Die „Soforthilfe“ hat ihren Namen wirklich verdient. Wir sind es sonst ja gewohnt, dass politische Prozesse oft lange dauern und dass von einem Beschluss bis zu dessen Umsetzung viel Zeit vergehen kann. Das schnelle Handeln in dieser Krise finde ich gut. Langsamkeit können wir uns gerade in kaum einem Bereich erlauben. Wirtschaftliche Hilfe muss früh genug kommen, um Insolvenzen zu vermeiden. Medizinische Vorbereitungen auf eine steigende Zahl von an Corona erkrankten, behandlungsbedürftigen Patienten müssen ebenfalls zügig vonstatten gehen. Ich wünsche mir, dass im Ernstfall jedem Betroffenen geholfen werden kann. Auch wenn es ein alter Mensch ist.

Wir haben die 9000,- Euro Soforthilfe bekommen, die für Betriebe unserer Größe vorgesehen waren. Für Ralf und mich ist die Ungewissheit, ob das tatsächlich klappt, nun also vorbei, und wir können nach den aufregenden Tagen ein wenig durchatmen. Natürlich müssen wir in den kommenden Wochen sparen, wo es geht, denn das Geld wird nicht reichen. Und wir passen auf, dass wir gesund bleiben.

Vielleicht dürfen wir in ein paar Wochen ja wieder in unserer schönen kleinen Segelschule arbeiten. Das hoffen wir sehr.

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