Solidarität und Hilfsbereitschaft – wirklich?

Wir werben für unsere Online-Kurse. Hier in der Region machen wir das mit Aushängen.

Noch hat die Corona-Pandemie in Deutschland ihren Höhepunkt nicht erreicht. Habe ich gerade im Radio gehört. Und: Die Zahl der Neuinfizierten steigt hierzulande nicht mehr so schnell an. Das lässt immerhin ein bisschen Raum für Hoffnung.

Ostersegelkurs fällt aus

Mittlerweile ist klar, dass wir unseren Ostersegelkurs nicht machen dürfen. Einige Teilnehmer haben uns schon gesagt, dass sie ihren Kurs einfach verschieben wollen. Sie suchen sich jetzt in Ruhe einen neuen Termin aus. Deren Anzahlung dürfen wir behalten. Darüber freuen wir uns sehr.

Wenn man selbstständig ist, ist ein Umsatz von null Euro schlimm. Stellt Euch vor, Euer Gehalt wird plötzlich nicht mehr gezahlt, obwohl Ihr viel gearbeitet und nichts falsch gemacht habt. Und Ihr habt keine Möglichkeit, euch dagegen zu wehren.

Ein Minusumsatz, weil man jetzt auch noch das Geld, das man im Winter als Anzahlung bekommen hat, zurückzahlen muss, ist für ein Unternehmen wie unsere Segelschule noch schlimmer.

Das würde bedeuten, Ihr bekommt nicht nur kein Gehalt, sondern müsst das Gehalt der Vormonate auch noch zurückgeben. Natürlich ist nicht mehr alles da, denn Ihr habt davon gelebt, Miete und Betriebskosten gezahlt. Wie würdet Ihr Euch da fühlen?

Nicht gleich aufgeben – wir bieten Alternativen

Alle unsere Teilnehmer, deren Kurse wegen der Corona-Pandemie ausfallen, dürfen diese kostenfrei verschieben, gern auch auf nächstes Jahr, wenn es 2020 nicht geht. Gern stellen wir über die geleistete Anzahlung auch einen Gutschein aus, der dann als Anzahlung für einen neuen Kurs oder auch für einen Segelausflug oder Privatunterricht genutzt werden kann. Oder als Geschenkgutschein für jemand anderen.

Wer will, lernt im Online-Kurs jetzt schon die Theorie

Wir haben bereits die ersten Zusatztermine für den Sommer in unser Programm aufgenommen. Wer den Sportbootführerschein machen möchte und mit dem Lernen nicht warten will, bis die Schulen wieder aufmachen dürfen, erhält bei uns einen didaktisch gut gemachten Online-Kurs und kann wählen, wie viel Unterstützung er dabei von uns haben möchte. Wir helfen gern per E-Mail, Telefon oder über Skype.

Wer einen Präsenzkurs gebucht hat und auf Online umsteigen möchte, kann das ganz problemlos und kostenfrei machen. Wenn die Einschränkungen gelockert werden und wieder amtliche Prüfungen stattfinden, vereinbaren wir mit unseren Teilnehmern die Termine für die praktische Motorbootprüfung.

Nur Segelkurse lassen sich online nicht gut umsetzen. Denn wer segeln lernen will, muss von Anfang an aufs Wasser.

Was mich traurig macht

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass jemand, dem jetzt durch die Corona-Krise das Einkommen wegbricht, und der nicht mehr ein und aus weiß, seine Anzahlung zurückhaben möchte. Und natürlich überweisen wir das Geld zurück, wenn unsere Teilnehmer darum bitten. Wir dürfen ja die gebuchte Leistung derzeit nicht erbringen, auch wenn das absolut nicht unsere Schuld ist.

In einem meiner vorangegangenen Beiträge habe ich ja schon dargestellt, dass die Rückzahlung sämtlicher Anzahlungen die Summe der Soforthilfe, die wir erhalten haben, auffressen würde.

Ich muss zugeben, dass ich manchmal traurig bin. Nämlich dann, wenn jemand – ohne nachzudenken oder vielleicht auch aus Prinzip – sein Geld zurückfordert, obwohl er zu den vielen Menschen hier im Land gehört, die jetzt weiterhin ihr Gehalt oder ihre Rente bekommen. Obwohl er eventuell gar nicht mal so weit weg wohnt und vielleicht später einmal einen neuen Kurs bei uns plant.

Man könnte es ja auch so machen, dass man die Anzahlung erst mal noch stehen lässt. Und wenn man dann später feststellt, dass es doch nicht klappt mit der Kursverschiebung, seine Anmeldung storniert. Dann müssten wir das Geld nicht schon jetzt, mitten in der Krise, zurückgeben.

Gutschein-Lösung für Reiseveranstalter

Da sich die ganze Urlaubsbranche in der Corona-Krise befindet, soll es Reiseveranstaltern ermöglicht werden, Gutscheine auszustellen, anstatt Anzahlungen auf geplatzte Reisen zu erstatten. Nachdem es zu diesem Vorschlag viel Kritik gab, plant die Regierung laut einem Bericht auf Spiegel Online, diese Gutscheine abzusichern, damit kein Kunde sein Geld verliert.

Das bedeutet, dass vor allem die großen Reiseveranstalter davon profitieren würden. Sie müssten erst mal kein Geld zurückzahlen. Nur dann, wenn bei dem Kunden ein besonderer Härtefall vorliegt. Wir als Segel- und Sportbootschule gehören zwar auch zur Urlaubsbranche. Aber Reiseveranstalter sind wir nicht, und so fallen wir hier ungebremst durchs Netz.

Überall wird von Solidarität und Hilfsbereitschaft geredet. Es gibt wunderbare, großzügige Menschen, bei denen Ralf und mir das Herz aufgeht. Aber es gibt leider auch jene, bei denen Solidarität und Hilfsbereitschaft wohl immer die der anderen sind.

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